Caninus Engstand - Leonberger

LEONBERGER HUNDEZUCHT
Löwe aus Kurpfalz
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Caninus Engstand

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Die allermeisten Leonberger Hunde sind stolze Träger eines funktionierenden  und kompletten Scherengebisses. Dennoch führen Zahnfehlstellungen wie beispielsweise der Caninus Engstand ab und an zu Problemen und Missverständnissen, nicht nur im Rahmen von Ausstellungsbewertungen und bei  der Zuchtzulassung.

Der Caninus Engstand kommt vorwiegend im Unterkiefer vor. Dabei stehen die Canini (Eckzähne,  Fangzähne) zu nahe beieinander. Dadurch können sie die Weichteile im Oberkiefer verletzen und es kann dort zu einem Einbiss kommen. Der Caninus  Engstand des Hundes muss behandelt werden, weil er Schmerzen  verursacht. Ästhetische Gründe für eine Korrektur sind zweitrangig.

      
Leonberger mit korrekter Zahnstellung.


Was ist ein Caninus Engstand?
Beim Engstand der Canini "bohren" sich die Zahnspitzen der Canini des Unterkiefers in den Gaumen  des Oberkiefers.
Folgende Gründe kann es dafür geben:

•Der Unterkiefer ist im Verhältnis zum Oberkiefer zu eng.
•Die Canini sind zu parallel zueinander.

Sie stehen nicht "nach außen" sondern "bohren" sich in den Gaumen des Oberkiefers ein, was  schmerzhaft ist. In extremen Fällen kann es zu einer oronasalen Fistel kommen, einem Gang, der die Maul und Nasenhöhle verbindet.

Der Caninus-Engstand wird in verschiedene Grade eingeteilt:

  • Grad I: Die Zahnspitze vom Caninus des Unterkiefers stößt auf die Schleimhaut des Oberkiefers auf der mentalen Linie die sich  zwischen Schneidezähne und   Caninus des Oberkiefers bildet. Infolge der äußeren Berührung des Oberkiefers sind an dessen Schleimhaut Berührungsspuren festzustellen.
  • Grad II: Die Zahnspitze des Caninus des Unterkiefers stößt auf den Gaumen hinter der vorhin genannten Linie und die Zahnkrone ist  von der Seite komplett sichtbar.
  • Grad III: Die Zahnkrone des Caninus des Unterkiefers ist von der Seite gesehen teilweise von der Zahnkrone des Fangzahnes des  Oberkiefers verdeckt. Bei Grad II und bei Grad III des Caninus Engstands ist ein Einbiss zwischen den Zähnen des Oberkiefers zu erkennen.
  • Grad IV: Die Zahnkrone des Caninus des Unterkiefers ist komplett von der Zahnkrone des Fangzahnes im Oberkiefer bedeckt oder  teilweise hinter diesem sichtbar. Der Einbiss durch den Caninus erfolgt im Bereich des Gaumendaches des Oberkiefers.
   
Schon ein geringgradiger Einbiss verursacht Schmerzen  und beeinträchtigt das Allgemeinbefinden  bis hin zur Futterverweigerung.
Ursachen des Caninus Engstands
Die  Ursachen für den Engstand können unterschiedlich sein, wie zum Beispiel:

·   Genetische Kieferfehlstellung,
·   Verletzungen des Kiefers
·   Verletzungen einzelner Zähne
·   Die häufigste Ursache ist allerdings das nicht rechtzeitige Ausfallen der Milchzahn-Fangzähne.
Caninus Engstand beim Milchzahngebiss
Üblicherweise lösen sich die Zahnwurzeln der Milchzähne durch die Stimulation der nachkommenden  bleibenden Zähne langsam auf, so dass die Milchzähne beim Auftauchen der Zahnkronen der bleibenden Zähne herausfallen.

Bei den persistierenden (nicht ausfallenden) Milchzähnen lösen sich die Zahnwurzeln nicht auf.  Stattdessen verbleiben die Milchzähne mit den bleibenden Zähnen gemeinsam im Maul und behindern und blockieren sich gegenseitig (Doppelzähne). So kann es sein, dass die Ursache für einen einseitigen oder  beidseitigen Caninus Engstand diese persistierenden Milchzähne sind. Aber auch ein verzögerter Zahnwechsel, also wenn die Milchzähne sehr spät ausfallen, kann Ursache von Zahnfehlstellungen sein. Besonders oft  betrifft dies die Canini, selten auch die Schneidezähne.

Persistierende Milchzähne sollten umgehend extrahiert werden, wenn sich die jeweiligen bleibenden  Zähne zeigen. Sonst schiebt sich der hochwachsende bleibende Zahn neben den Milchzahn in eine unnatürliche Position. Dies kann zu erheblichen Zahnfehlstellungen führen und massive traumatisierende Folgen haben.

Wenn die Milchzähne gemeinsam mit den bleibenden Zähnen im Hundemaul bleiben, führt diese  Zahnüberzahl im Gebiss außerdem dazu, dass der Selbstreinigungsmechanismus des Gebisses verloren geht. Es kommt zu unhygienischen Verhältnissen in der Maulhöhle durch Einklemmen von Futterresten, Haaren und  anderen Fremdkörpern.


Leonberger im Alter von 6 ½ Monaten mit Caninus Engstand. Der  Eckzahn des Unterkiefers bohrt sich in das Zahnfleisch des Oberkiefers.

Eine weitere negative Auswirkung der Milchzahnpersistenz ist die scheinbare Behinderung des  Längenwachstums der bleibenden Zähne. Die mechanische Verkeilung, insbesondere im Bereich der Canini, hemmt ein normales Herauswachsen der Zähne aus den Zahnfächern, sie bleiben darin stecken. Spätere  Komplikationen sind zu erwarten.
Da als Ursache einer Milchzahnpersistenz auch genetische Einflüsse in Betracht kommen können,  sollte man solche Tiere später nicht zur Zucht einsetzen.
Weitere mögliche Ursachen eines pathologischen Zahnwechsels sind Wachstumsstörungen des  Kieferknochens, Störungen der Zahnkeimentwicklung durch Vitamin- oder Mineralstoffmangel und gelegentlich auch eine Verlagerung des Zahnkeimes durch Traumata.

Die Situation am Unterkiefer?
Wenn man von vorne ins Maul hineinschaut, kommen die bleibenden Fangzähne des Unterkiefers  physiologischer Weise lingual (in Richtung Zunge) auf der Innenseite der Milchzähne heraus. Wenn die Milchzähne jedoch nicht ausfallen, wachsen die bleibenden Zähne in steiler Richtung nach oben, statt schräg  nach außen, da dies mechanisch verhindert wird. Sind die Milchzähne ausgefallen, können die bleibenden Zähne deren Platz einnehmen und schräg nach außen wachsen. Geschieht dies aber zu spät, haben die  bleibenden Fangzähne eine falsche Richtung eingenommen und können dann nur mit aufwändiger kieferorthopädischer Behandlung in die richtige Stellung gebracht werden.

Die Situation am Oberkiefer?
Betrachtet man von der Seite gesehen die bleibenden Canini im Oberkiefer, so wachsen diese  physiologischer Weise vor den Milchzähnen heraus, so dass häufig der bleibende Zwischenraum zu den Schneidezähnen zu eng wird. Der Fangzahn des Unterkiefers passt dann nicht mehr dazwischen und kann deshalb  nicht schräg nach außen wachsen.

Die Schäden im Oberkiefer können von geringgradigen Impressionen, der Bildung von  Schleimhauttaschen bis zu tiefen Defekten im knöchernen Gaumen reichen. Längeres Einbeißen führt dann zur Ausbildung einer oronasalen Fistel des harten Gaumens, einer meist blutig-eitrigen Verbindung zwischen  Mund- und Nasenhöhle, bei der Gaumenschleimhaut und Oberkieferknochen aufgrund der stetigen Fehlbelastung punktuell nekrotisch (zerstört) werden. Derartige Veränderungen können dann nur noch chirurgisch, häufig  unter Verlust eines Zahnes, therapiert werden. Diese Veränderungen sind immer auch hochgradig schmerzhaft und beeinträchtigen das Allgemeinbefinden des Tieres in erheblichem Maße. Auf diesem Wege können dann  auch Futterbestandteile in die Nasenhöhle gelangen und von dort weiter in die Lunge aspiriert werden und dort Lungenentzündungen hervorrufen.

Die Folgen des Caninus Engstand beim Welpen
Primär hat der Welpe Schmerzen, die durch das Einstechen der Zahnspitzen in den Oberkiefer  verursacht werden.
In der Folge entsteht ein Entzündungsherd, verursacht durch Futterreste, die sich in den  "Stichkratern" festsetzen. Das zu steile Stehen der Canini führt zu dem Eindruck, der Unterkiefer sei zu schmal (Mandibula angusta, siehe weiter unten). Tatsächlich sind die Unterkieferknochen jedoch in dem  meisten Fällen normal breit.

Zusätzlich kann das Längenwachstum der Kiefer gehemmt werden. Ober- und Unterkiefer wachsen  normalerweise unterschiedlich schnell. Es kann ein Vor- oder Rückbiss entstehen.

Wann sollten Milchzähne entfernt werden?
Wenn bleibende Zähne erscheinen, sollten die zu ersetzenden Milchzähne ausfallen. Ist das nicht  der Fall, weil die Zahnwurzel nicht resorbiert wird, sollten diese baldmöglichst von einem Tierzahnarzt entfernt werden. So kann der bleibende Zahn noch in seine physiologische Stellung wandern und spätere  Zahnfehlstellungen werden vermieden. Dadurch erspart man sich oft aufwändige orthodontische Behandlungen, mehrfache Narkosen und unnötige Kosten.

Caninus Engstand beim bleibenden Gebiss
Nach Abschluss des Zahnwechsels muss man das bleibende Gebiss weiter regelmäßig kontrollieren, um  rechtzeitig eventuelle Probleme beim bleibenden Gebiss festzustellen. Das Breiten- und Längenwachstum eines männlichen Leonberger Kopfes ist erst in einem Alter von 3 ½ Jahren abgeschlossen, so dass es bis  dahin noch zu einem Caninus Engstand kommen kann.

Behandlungsmethoden bei Caninus Engstand
Der Caninus Engstand kann vom tierärztlichen Spezialisten im Alter von 7 – 10 Monaten mit  orthodontischen Techniken relativ einfach korrigiert werden.
Geeignete kieferorthopädische Maßnahmen können die vorher geschilderten Komplikationen verhindern  und je nach Schweregrad eine Normalverzahnung herstellen.

  • In leichten Fällen kann es ausreichen, den Junghund öfter auf einem Gummiball herumbeißen zu  lassen und mehrmals täglich Massagen des Zahnes mit den Fingern durchzuführen.
  • Durch eine Dehnschraube im Unterkiefer  können die Canini in eine normale Position geschoben werden.
  • Aufbißschienen können nach Abdrucknahme  aus Metall angefertigt werden. Die Behandlung ist aufwändig.
  • Weniger beschwerlich sind solche  Aufbißschienen anzufertigen, die in einer Sitzung ohne Abdrucknahme mit einem Spezialkunststoff direkt individuell angefertigt werden. In diesem Fall ist nur eine  Sedation für den Einbau erforderlich.
  • Abhilfe geschaffen werden kann auch  durch Kürzen der Zahnkronen der Canini im Unterkiefer mit gleichzeitiger Wurzelkanalbehandlung und anschließender Füllung.

Dies ist nur in schwerwiegenden Fällen,  in denen eine orthopädische Zahnregulation nicht erfolgen kann, anzuraten.
Die Behandlungsmethode ist vom Grad des  Engstandes und von einer eventuellen gleichzeitigen Kieferfehlstellung abhängig. Grad I und II sind leichter zu behandeln
als Grad III und dieser leichter als  Grad IV.



Leonberger mit Caninus Steilstand Grad IV. Der Einbiss  erfolgte in das Oberkieferdach, so dass die Zahnkrone gekürzt werden musste.

Alle Methoden haben ihre Vor- und Nachteile und können nicht zu jedem Zeitpunkt und bei allen  Graden des Engstands eingesetzt werden. Was bei einem konkreten Fall die beste Methode ist, sollte ein kieferorthopädisch versierter Tierarzt mit Ihnen besprechen.

Erblich oder nicht?
Die Zahnfehlstellung tritt bei vielen Rassen auf. Es können familiäre und rassespezifische  Häufungen beobachtet werden. Ist die seltene Ursache eines Caninus Engstandes Folge von Fehlbildungen im Kieferskelett, geht  man von einem erheblichen Erblichkeitsgrad aus. So ist aus der Humanmedizin bekannt, dass Kieferfehlstellungen stark vererbt werden, während Zahnfehlstellungen häufig nicht erblich bedingt sind, da sie von  vielen zufälligen Einflüssen herrühren können.

Allerdings liegen exakte Dokumentationen über den Erbgang von Zahnfehlern für den Hund praktisch  nicht vor. Es sind auch viele Beispiele von Zahnfehlstellungen bekannt, die auf eine zufällige, nicht erbliche Entwicklung von Zahnfehlern hindeuten.
Unarten wie Steine schleppen, Zerrspiele an der Leine oder das Tragen von Stöcken können bereits  während der Entwicklungsphase des Gebisses und im Milchzahnwechsel einen negativen Einfluss auf die Position und Lage des sich entwickelnden bleibenden Zahnes ausüben. Auch durch Unfälle können hochwachsende  Zähne in eine falsche Position gedrängt werden. Dies ist nicht selten bei einseitigem Caninus Engstand der Fall. Es wurden sogar Zahnverlagerungen als Folge von Bissverletzungen im Welpenalter beobachtet.

Tiere, die an den Folgen eines Caninus Engstandes erkrankt sind und an entzündlichen Prozessen  leiden oder gar Fisteln haben, können in keinem Fall die Voraussetzungen für eine Bescheinigung der Zuchttauglichkeit erfüllen.

Differentialdiagnose Mandibula angusta
Eine weitere Fehlstellung der Unterkiefer Fangzähne stellt die sogenannte Mandibula angusta, auch  Caninus Steilstand oder Caninus Lingualstand genannt, dar.
Diese wird meist durch einen Rückbiss ausgelöst. Der Eckzahn des Unterkiefers steht in dem Fall  dann meist auf gleicher Höhe mit dem Oberkiefereckzahn, anstatt in der Lücke zwischen Oberkiefereckzahn und letztem Schneidezahn.

Fazit
Schon bevor der Zahnwechsel mit 4 Monaten beginnt, sollte das Gebiss des Welpen regelmäßig  kontrolliert werden, um eventuelle Probleme frühzeitig zu entdecken, aber auch um den Welpen leichter an eine prophylaktische Maulhygiene, das Zähneputzen, zu gewöhnen.

Lassen Sie sich nicht von Aussagen beeinflussen, dass die Milchzähne zu einem späteren Zeitpunkt  noch von alleine ausfallen werden. Auch wenn sie das tun sollten, kann es trotzdem später zu einer Fehlstellung der bleibenden Zähne führen, die nur mit erheblichem Aufwand zu beheben ist.

Die Erfahrung hat leider gezeigt, dass man sich in der Diagnose und Beurteilung eines Caninus  Engstands nicht immer auf das Urteil seines Tierarztes verlassen kann. Im Zweifelsfall sollte man sich an einen auf Zahngesundheit versierten Tiermediziner wenden.
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